Entwurf einer Übers...
 
Benachrichtigungen
Alles löschen

Entwurf einer Übersicht über die Parkinsonmedikamente. Ich bitte un Kommentare und Fehlerkorrekturen, bevor die Übersicht im Parkinson Journal veröffentlicht wird

1 Beiträge
1 Benutzer
0 Likes
188 Ansichten
Jürgen Zender
(@juergen)
Beiträge: 24
Mitglied Admin
Themenstarter
 

 

Übersicht über die Parkinsonmedikamente mit ihren Indikationen, Kontraindikationen und Nebenwirkungen

 

Die medikamentöse Therapie des Morbus Parkinson basiert auf einer Vielzahl von Arzneimitteln, die je nach Krankheitsstadium und individueller Patientensituation eingesetzt werden. Die wichtigsten Klassen von Parkinson-Medikamenten sind L-Dopa, Non-Ergot-Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmer, COMT-Hemmer, NMDA-Antagonisten und Anticholinergika. Im Folgenden finden Sie eine ausführliche Beschreibung dieser Medikamente:

L-Dopa (Levodopa): L-Dopa ist ein zentraler Wirkstoff in der Parkinson-Therapie und gilt als Mittel der ersten Wahl. Es wird oft in Kombination mit einem peripheren Decarboxylasehemmer wie Carbidopa oder Benserazid verabreicht, um die Umwandlung von L-Dopa in Dopamin außerhalb des Gehirns zu reduzieren. Die wichtigsten Effekte von L-Dopa sind die Erhöhung der Dopaminkonzentration im Zentralnervensystem (ZNS) und die Verbesserung von Symptomen wie Akinese, Rigor und Tremor. Es ist das wirksamste Einzelmedikament bei Parkinson und wird häufig als Goldstandard bezeichnet.

Wichtige Nebenwirkungen von L-Dopa sind:

  • Motorische Wirkungsfluktuationen, einschließlich Hypokinesie (End-of-Dose-Akinesie, Freezing) und Hyperkinesie (On-Dyskinesie).
  • Vegetative Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und orthostatische Hypotonie.
  • Psychische Nebenwirkungen wie Unruhe, Verwirrtheit, Halluzinationen und gestörte Impulskontrolle.

Die Dosierung von L-Dopa erfordert oft eine individuelle Anpassung, und es ist wichtig, die niedrigste wirksame Erhaltungsdosis zu verwenden. Bei einem plötzlichen Absetzen von L-Dopa kann es zu einer akinetischen Krise führen, die eine intensivmedizinische Betreuung erfordert.

Indikationen für L-Dopa:

  • Therapie des Morbus Parkinson (Mittel der ersten Wahl).
  • Abklärung eines Parkinson-Syndroms.
  • Symptomatische Parkinson-Syndrome (außer medikamenteninduzierte).

Kontraindikationen für L-Dopa sind:

  • Schwere Leber- und Niereninsuffizienz.
  • Gravidität und Stillzeit.
  • Patienten unter 25 Jahren.

Non-Ergot-Dopaminagonisten: Diese Medikamente, wie Ropinirol, Pramipexol, Apomorphin, Rotigotin und Piribedil, wirken direkt an den Dopaminrezeptoren und haben eine agonistische Wirkung. Sie sind ebenfalls Mittel der ersten Wahl bei der Parkinson-Therapie und können die Symptome von Akinese, Rigor und Tremor verbessern.

Wichtige Nebenwirkungen von Dopaminagonisten sind:

  • Vegetative Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, orthostatische Hypotonie und Schwindel.
  • Motorische Nebenwirkungen wie Dyskinesien.
  • Psychische Nebenwirkungen, einschließlich Unruhe, gesteigerte Libido, zwanghaftes Einkaufen und Halluzinationen.

Ergot-Dopaminagonisten wie Bromocriptin und Cabergolin werden nur noch in Ausnahmesituationen eingesetzt.

Indikationen für Non-Ergot-Dopaminagonisten:

  • Therapie des Morbus Parkinson (Mittel der ersten Wahl).
  • Medikamentöse Therapie des Prolaktinoms und zum Abstillen (Cabergolin, Bromocriptin).
  • Medikamentöse Therapie der Akromegalie.

Kontraindikationen für Dopaminagonisten sind:

  • Schwere Leber- und Niereninsuffizienz.
  • Schwere Herzklappenschädigungen oder Fibrosen.

MAO-B-Hemmer: MAO-B-Hemmer wie Selegilin, Rasagilin und Safinamid hemmen den Abbau von Dopamin im Gehirn und verlängern somit die Dopaminwirkung. Sie werden in der Regel in Kombination mit L-Dopa eingesetzt, um Wirkungsfluktuationen zu verbessern.

Wichtige Nebenwirkungen von MAO-B-Hemmern sind:

  • Kopfschmerzen, Dyskinesien und psychische Störungen wie Halluzinationen.
  • Bei hohen Dosierungen können amphetaminartige Nebenwirkungen wie Tachykardie und Hypertonie auftreten.

Es ist wichtig zu beachten, dass MAO-B-Hemmer nicht mit bestimmten Antidepressiva wie SSRIs oder SNRIs kombiniert werden sollten, da dies ein erhöhtes Risiko für ein Serotonin-Syndrom darstellen kann.

Indikationen für MAO-B-Hemmer:

  • Therapie des Morbus Parkinson.
  • Alternative zu L-Dopa oder Dopaminagonisten bei Patienten mit milder Symptomatik.
  • In Kombinationstherapie mit L-Dopa bei Wirkungsfluktuationen im fortgeschrittenen Stadium.

Kontraindikationen für MAO-B-Hemmer sind:

  • Schwere Leberinsuffizienz (bei Selegilin).
  • Schwere Leberinsuffizienz (bei Safinamid).

COMT-Hemmer: COMT-Hemmer wie Opicapon, Entacapon und Tolcapon hemmen den Abbau von L-Dopa und tragen zur Verbesserung von Wirkungsfluktuationen bei fortgeschrittenem Parkinson bei. Sie werden in Kombination mit L-Dopa und einem Decarboxylasehemmer verwendet.

Wichtige Nebenwirkungen von COMT-Hemmern sind:

  • Gastrointestinale Nebenwirkungen.
  • Dyskinesien und psychische Störungen wie Halluzinationen.

Indikationen für COMT-Hemmer:

  • Therapie des Morbus Parkinson in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien mit Wirkungsfluktuationen.

Kontraindikationen für COMT-Hemmer sind:

  • Schwere Leberinsuffizienz.
  • Gravidität und Stillzeit.
  • Phäochromozytom.
  • Z.n. malignem neuroleptischen Syndrom.

NMDA-Antagonisten: NMDA-Antagonisten wie Amantadin und Budipin beeinflussen das Gleichgewicht von Glutamat und Dopamin im Gehirn. Sie werden bei akinetischer Krise und zur Reduktion von L-Dopa-induzierten Dyskinesien eingesetzt.

Wichtige Nebenwirkungen von NMDA-Antagonisten sind:

  • Ähnliche Nebenwirkungen wie L-Dopa, jedoch in geringerem Ausmaß.
  • Vegetative Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und orthostatische Hypotonie.
  • Psychische Nebenwirkungen wie Unruhe, Verwirrtheit und Halluzinationen.

Es ist zu beachten, dass NMDA-Antagonisten die QT-Zeit verlängern können und daher bei schweren kardialen Vorerkrankungen kontraindiziert sind.

Indikationen für NMDA-Antagonisten:

  • Therapie des Morbus Parkinson, insbesondere bei akinetischer Krise.
  • Einsatz in Kombinationstherapie bei Wirkungsfluktuationen.

Kontraindikationen für NMDA-Antagonisten sind:

  • Schwere kardiale Vorerkrankungen.
  • Gravidität und Stillzeit (relative Kontraindikationen).

Anticholinergika: Anticholinergika wie Biperiden werden als unterstützende Therapieoption bei therapierefraktärem Tremor eingesetzt. Sie hemmen exzitatorische cholinerge Neurone und senken den Acetylcholinspiegel.

Wichtige Nebenwirkungen von Anticholinergika sind:

  • Ungünstige Nebenwirkungen, insbesondere bei älteren oder kognitiv eingeschränkten Patienten, darunter eine Verschlechterung der Demenz und die Entwicklung eines anticholinergen Delirs.

Indikationen für Anticholinergika:

  • Therapie des medikamenteninduzierten Parkinson-Syndroms (antipsychotika-assoziiertes Parkinsonoid und Frühdyskinesien).
  • Supportive Therapie bei nicht suffizient kontrolliertem Tremor bei Morbus Parkinson.

Kontraindikationen für Anticholinergika sind:

  • Demenz.
  • Patienten mit Morbus Parkinson und psychotischer Symptomatik.

Die Wahl der Parkinson-Medikamente sollte immer individuell erfolgen, basierend auf der klinischen und anamnestischen Situation des Patienten sowie dem Krankheitsstadium. Es gibt kein universelles Medikament der ersten Wahl mehr, da die Therapie individualisiert werden sollte. Parkinson-Medikamente zielen darauf ab, die Symptome zu lindern, sind jedoch nicht in der Lage, die zugrunde liegende Erkrankung zu heilen.

 

 

 

Medikamentenklasse

Medikamente

Indikationen

Kontraindikationen

Mögliche Nebenwirkungen

L-Dopa

Levodopa (L-Dopa)

Therapie des Morbus Parkinson

Schwere Leber- und Niereninsuffizienz, Gravidität und Stillzeit, Patienten unter 25 Jahren

Motorische Fluktuationen (On-Dyskinesie, End-of-Dose-Akinesie), Übelkeit, Erbrechen, Halluzinationen, orthostatische Hypotonie

Dopaminagonisten

Ropinirol, Pramipexol, Apomorphin, Rotigotin, Piribedil

Therapie des Morbus Parkinson

Schwere Leber- und Niereninsuffizienz, Schwere Herzklappenschädigungen oder Fibrosen

Übelkeit, Erbrechen, orthostatische Hypotonie, Dyskinesien, Halluzinationen, zwanghaftes Verhalten

MAO-B-Hemmer

Selegilin, Rasagilin, Safinamid

Therapie des Morbus Parkinson, Wirkungsfluktuationen

Schwere Leberinsuffizienz, Gravidität und Stillzeit

Kopfschmerzen, Dyskinesien, Halluzinationen, vegetative Symptome

COMT-Hemmer

Opicapon, Entacapon, Tolcapon

Wirkungsfluktuationen im fortgeschrittenen Stadium

Schwere Leberinsuffizienz, Gravidität und Stillzeit, Phäochromozytom, malignes neuroleptisches Syndrom

Gastrointestinale Symptome, Dyskinesien, Halluzinationen

NMDA-Antagonisten

Amantadin, Budipin

Therapie des Morbus Parkinson, Reduktion von L-Dopa-induzierten Dyskinesien, akinetische Krise

Schwere kardiale Vorerkrankungen, Gravidität und Stillzeit (relative Kontraindikation)

Ähnliche Nebenwirkungen wie L-Dopa, vegetative Symptome, psychische Symptome

Anticholinergika

Biperiden

Medikamenteninduziertes Parkinson-Syndrom (antipsychotika-assoziiertes Parkinsonoid und Frühdyskinesien), Tremor bei Morbus Parkinson

Demenz, Morbus Parkinson mit psychotischer Symptomatik

Verschlechterung der Demenz, anticholinerger Delir

Bitte beachten Sie, dass dies eine allgemeine Übersicht ist und die Auswahl eines spezifischen Parkinson-Medikaments immer von der individuellen Patientensituation und den Empfehlungen des behandelnden Arztes abhängt. Parkinson-Medikamente sollten immer unter ärztlicher Aufsicht verwendet werden, da sie individuell dosiert und angepasst werden müssen.

 

 
Veröffentlicht : 14/10/2023 8:21 am
Teilen: